19.06.2020

"In Gera ist alles etwas familiärer, in Remscheid sind Leistungsanspruch und Wille grösser"

Mit Anna Behrendt hat eine Spielerin der IGR Remscheid den Meistertitel in der Bundesliga der Damen gefeiert, die beim RSC Gera gross geworden ist. Im Interview spricht sie über die spezielle Situation und den grössten Erfolg in ihrer noch jungen Karriere.

Redaktion

Das vom RSC Gera geführte Interview ist RH-News zur Verfügung gestellt worden:

 

RSC Gera: Sicher bist du auch mit dem Ziel nach Remscheid gegangen, dich sportlich weiter zu entwickeln.  Aber hast du immer daran geglaubt, dass es schon im zweiten Jahr in Remscheid mit dem Deutschen Meister klappen könnte?

Anna Behrendt: Wir sind eine junge Mannschaft und haben noch sehr viel vor uns. Schon letztes Jahr standen wir in Pokal und Meisterschaft in den Finals. Letztes Jahr siegten wir im Pokalwettbewerb im ersten Spiel auswärts, verloren dann aber unser Heimspiel. Das war für uns so etwas wie der Startschuss für die Jagd auf den Titel zum Deutschen Meister in diesem Jahr. Um das zu erreichen, trafen wir uns schon immer eine Stunde vor dem regulären Trainingsbeginn, um an unserer Fitness und Physis zu arbeiten.

 

Du hast als junge Spielerin die Jugend des RSC Gera durchlaufen, hast einige Jahre dort Bundesliga gespielt und auch als Trainerin gearbeitet. Wo siehst du die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Vereinen?

Aus sportlicher Sicht besteht der größte Unterschied im Leistungsanspruch und dem Willen sich ständig zu verbessern. Niederlagen nicht einfach hinzunehmen, sondern dem Anspruch das nächste Spiel tatsächlich zu gewinnen und nicht nur davon zu reden. Wenn man die Unterschiede speziell auf das Damenteam bezieht, so ist auch das Verantwortungsbewusstsein für die Leistung der Mannschaft von jeder einzelnen Spielerin hier bei der IGR ein ganz anderes. Außerdem ist Markus Feldhoff ein strenger Trainer, der Fehler nicht akzeptiert und akribisch aufarbeitet. Wir haben viele gute Spielerinnen, die alle ehrgeizig arbeiten, entsprechend gibt es auch einen für die Teamleistung sehr förderlichen Konkurrenzkampf, was in Gera im Damenteam nie der Fall war.

Dem RSC Gera habe ich viel zu verdanken. Allem voran natürlich auch meinem Onkel Steven, der mich damals als Jugendtrainer zu meinem ersten Training über die Bande gehoben hat. Meine ersten Schritte auf Rollschuhen habe ich dann bei Robert Kötter gelernt. Er hat mich in meinen jüngsten Jahren auch weiter begleitet. Wichtig waren aber auch immer meine Eltern, die mein Interesse für den Sport immer unterstützt haben. Ich durfte immer Rollhockey auf internationalem Niveau sehen und sie haben mir auch sonst alles ermöglicht. Einige Male fuhren wir nach NRW um Europapokalspiele zu schauen, oder wir flogen direkt nach Spanien oder Portugal um das beste Rollhockey live zu erleben.

Rückblickend war es sehr positiv für mich, dass ich mich im Jugendbereich auch immer gegen Jungs durchsetzen musste. Das bringt eine gewisse Wettkampfhärte mit sich, die man spätestens in der Bundesliga wieder gut brauchen kann. Sehr dankbar bin ich Spielern wie Lars Köcher und Enrico Rhein, die mich als Mädchen sogar im Herrentraining akzeptiert und integriert haben. Ich habe in der Zeit viel gelernt.

Wenn man die beiden Clubs miteinander vergleicht, so ist es beim RSC Gera familiärer. So habe ich auch immer noch so ein gewisses Vereinsgefühl und eine Verbundenheit zum RSC Gera. Wenn ich nach Gera komme, werde ich immer sehr herzlich empfangen. Es gibt mehr teamübergreifende Aktivitäten, wie z.B. Unihockeyturniere, oder die Treffen nach den Spieltagen mit Leuten aus den anderen Teams. Auch ist das Interesse der aktuellen Spieler an der Entwicklung der eigenen Vereinsjugend in Gera viel größer. So sind bei den Jugendspielen in Gera auch meist die erwachsenen Spielerinnen und Spieler entweder als Trainer oder Schiedsrichter selbst im Einsatz oder unter den Zuschauern. Das erlebe ich hier leider seltener.

 

Wie hast du die Zeit des Lockdown erlebt und wie geht es dir aktuell?

Die erste Zeit ging es mir tatsächlich selbst gesundheitlich nicht besonders gut. Trotzdem haben wir bei uns zu Hause das IGR Home-Office produziert. Wir brauchten dafür auch ein paar Tage Zeit um es zu planen, zu überlegen welche Übungen die Kids zu Hause gut machen können. Die Motivation selbst daran zu arbeiten, war am Anfang auch noch sehr groß. Im Laufe der Zeit nahm sie aber etwas ab, weil einem das Training im Team, das Gefühl Tore zu erzielen und irgendwo erfolgreich zu sein, einfach fehlt. Markus und ich haben dann begonnen, die Garage seiner Eltern in ein Homegym umzubauen, um viel Fitness zu trainieren. Wir haben Hanteln gekauft und mit HIIT- Workouts Intervalltraining gemacht. Zwischendurch war ich einige Male Laufen, obwohl mir das nicht so großen Spaß macht. Ich sehe mich eher als Teamsportlerin. Jetzt wo die Lockerungen nach und nach zunehmen und wir uns wieder mit dem Team treffen können, macht gleich alles wieder viel mehr Spaß. 

 

Wie sah deine Woche vor Corona aus?

Normal jobbe ich ein wenig in der Gastronomie, was dann durch Corona natürlich nicht mehr möglich war. Montags habe ich normal mein reguläres Rollhockeytraining, dienstags gehe ich ins Fitnessstudio und danach zum Techniktraining. Mittwochs ist dann wieder Rollhockeytraining, donnerstags gehe ich wieder ins Fitnessstudio und dann zum U9-Training bei der IGR. Am Freitag lege ich meistens einen Ruhetag ein, damit ich mich auf den am Samstag stattfindenden Bundesliga-Spieltag mental vorbereiten kann. Am Samstagmorgen hatte ich dann auch noch das Training mit der U9. Sonntags sind dann die Spieltage im Jugendbereich. Wenn dann gegen Abend noch Zeit ist, gehe ich nochmal ins Fitnessstudio. Alles in allem bestimmt Rollhockey meinen Tagesablauf. 

 

Welche Pläne hast du für deine Zukunft?

Ich denke, dass sich in Zukunft einiges ändern wird, weil mein Freund für ein Jahr nach Spanien geht und deshalb auch nicht mehr als Trainer der IGR Damenmannschaft zur Verfügung stehen kann. Ich selbst werde aber in Remscheid bleiben und auch weiter für die IGR spielen. Als Trainerin werde ich in der neuen Saison nun eine U11-Mannschaft übernehmen. Außerdem möchte ich in diesem Jahr beginnen zu studieren.

 

Wie ist der Kontakt in deine Heimat?

Mit meiner Familie halte ich natürlich ständig Kontakt. Wir telefonieren oder schreiben über WhattsApp. Jetzt sind endlich auch wieder gegenseitige Besuche möglich. Von den Spielerinnen bleibe ich mit der Kapitänin der Geraer Damenmannschaft Sabrina Adam in Kontakt. Wir tauschen uns häufig über private und sportliche Dinge aus. Außerdem habe ich noch einige Freunde aus meiner Schulzeit in Gera, mit denen ich regelmäßig in Kontakt bin.

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